Nachlese Walpurgisnacht | Reimund Niehus | 5-5-2012 @ 13:13 |
In der Walpurgisnacht versammeln sich die Hexen auf dem Hexentanzplatz bei Thale, um von dort aus auf Besen, Mistgabeln u.ä. "Fluggeräten" gemeinsam zum Brocken zu fliegen, wo das eigentliche Hexenfest stattfindet. Auf diesem tanzen angeblich alle Hexen in einem großen Kreis mit dem Rücken zueinander um das Feuer herum und küssen anschließend dem Teufel den Hintern. Dann lassen sie sich mit dem Teufel vermählen, worauf dieser die Hexen mit dem sogenannten Hexenmal zeichnet und ihnen die Fähigkeit zur Zauberei gibt. Dieser Walpurgis Sage galt es auf den Grund zu gehen.
Gemeinsam starten die Wandelgermanen sowie das Team „Mit freundlichen Füßen“ (Nicole, Claudia, Sybille) und Gastwandlerin Miriam, von Altenau in Richtung Brocken.
Der Weg verläuft vom Grabenhaus Rose entlang des Dammgrabens. Der Anstieg auf dem Magdeburger Weg, durch die "Steile Wand" ist für alle spannendste Abschnitt. Felsige Pfade mit Wurzeln und steiles Gelände , sowie die einbrechende Dunkelheit fordern unsere Konzentration. Am Ende des Magdeburger Weges, an der Landesstraße hat uns die Dunkelheit endgültig eingeholt, so dass die Stirnlampen zum Einsatz kommen. Über den Rinderkopf geht es weiter nach Torfhaus. Der Goetheweg führt uns über den Eckersprung hinauf auf den Brocken. Vereinzelt kommen uns Wanderer entgegen. Drei Wanderer werden von uns auf dem Weg zum Gipfel überholt. Der beleuchtete Brockenbahnhof in Mitten des dunklen Nationalparks lässt hoffen, dass oben auf dem Gipfel etwas los ist. Unsere Hoffnungen werden jedoch jäh enttäuscht. Die Gastronomie im Brockenbahnhof ist geschlossen. Im Goethesaal findet die Rockoper Faust statt. 300 Personen in geschlossener Gesellschaft haben keinen Platz für müffelnde Wanderer. Im Touristensaal des Brockenhauses ist gänzlich das Licht erloschen, auch die Gastronomie im Brockenhotel hat ihre Pforten geschlossen. Die Walpurgisfeiern finden wo anders statt, nur wenige Personen haben sich in dieser Nacht zum Brocken aufgemacht. Im Wetterhäuschen suchen wir Schutz vor dem Wind der über den Gipfel pfeift. So erleben wir Harzer Gastlichkeit mit unseren vorsorglich mitgebrachten Speisen und Getränken. Mit Mettwurst, Käse, Brot, Sekt und dem Südharzer Ramazotti (Schierker Feuerstein) genießen wir unsere kurze Nachtvesper.
Kurz vor Mitternacht ziehen wir zurück nach Altenau. Die Beats der Walpurgisfeier in Schierke und das Knallen des Feuerwerks schrecken unseren Teamhund Anton. Der hell scheinende Mond lässt es sogar zu, dass wir unsere Stirnlampen für einige Zeit löschen können. Spannend wird der Heimweg noch einmal auf dem Magdeburger Weg/Steile Wand als es im Dunkeln bergab über die Wurzeln und Felsen geht. Gegen 3.30 Uhr haben alle ohne Verletzungen den Parkplatz bei Altenau erreicht. 38 Kilometer mit reichlich Höhenmetern sind am Ende in das Trainingsbuch einzutragen.
Noch einmal zur Walpurgis Sage:
Ich vermut einfach mal, das wir einfach zu früh auf dem Brocken waren. Vermutlich haben die Hexen in Thale die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit nicht mitgemacht oder das Hexenbesen-GPS hat versagt .

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